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Go - Go - Gotsch!

Details

Nur auf den ersten Blick war das Kreisklasse-Spiel zwischen dem TTV Gärtringen VI und dem TTC Breitenstein II ein Spiel wie jedes andere. Bei genauer Betrachtung des Spielberichtsbogens offenbarte sich dann doch einiges: Nicht nur die extrem kurze Spieldauer von gerade einmal 48 Minuten überraschte, auch die Gärtringer Aufstellung war ungewöhnlich: Alle fünf eingesetzten Akteure des siegreichen TTV hießen mit Nachnamen Gotsch – das familieninterne Gärtringer Tischtennisprojekt war (endlich) aus der Taufe gehoben.

Die gemeldete Mannschaft TTV Gärtringen VI mit v.l.n.r.:  Ingo Gotsch, Wolfgang Gotsch, Doris Gotsch, Timo Gotsch, Patrick Gotsch, Manfred GotschDie gemeldete Mannschaft TTV Gärtringen VI mit v.l.n.r.: Ingo Gotsch, Wolfgang Gotsch, Doris Gotsch, Timo Gotsch, Patrick Gotsch, Manfred Gotsch

Das kleine von Enkelin Hannah Gotsch selbstgebastelte Banner zeigte es unmissverständlich: „Go – go – Gotsch“ stand da in großen Lettern, in puncto Anfeuerung und Motivation ließen die jüngsten Mitglieder der Großfamilie keine Gelegenheit ungenutzt. Schließlich galt es, den Hauptdarstellern an den grünen Tischen den Rücken zu stärken. Und es war ein ganz besonderes Verbandsspiel, das sich den Zuschauern in der Gärtringer Peter-Rosegger-Halle darbot. Mit dem ehemals in der Verbandsliga aktiven Ingo Gotsch an Position eins, dessen Cousin Patrick Gotsch und deren Väter Manfred (80) und Wolfgang (78) sowie dessen Gattin Doris Gotsch (70) standen sich gleich fünf Verwandte im Kräftemessen mit dem jungen Team des TTC Breitenstein II gegenüber, das bei der glatten 0:7-Niederlage und lediglich einem gewonnenen Satz sichtlich überfordert war. Das Ergebnis freilich spielte in diesem ersten Saisonspiel der Kreisklasse nur eine untergeordnete Rolle. „Der Spaß und das Besondere dieser Familienaktion stehen definitiv im Vordergrund. Sportlich nehmen wir es, wie es kommt“, sagt Kapitän Patrick „Paddy“ Gotsch, der sich im Vorfeld genau wie seine Gleichgesinnten riesig auf den ersten gemeinsamen Auftritt freute.

Auf dem Gruppenfoto präsentierte sich die große Gotsch-Familie, die es in der Gärtringer Halle mit Spielern und Zuschauern auf 14 Familienmitglieder aus drei Generationen brachteAuf dem Gruppenfoto präsentierte sich die große Gotsch-Familie, die es in der Gärtringer Halle mit Spielern und Zuschauern auf 14 Familienmitglieder aus drei Generationen brachte

Die Idee, mit einer reinen Gotsch-Mannschaft in die Punktspielrunde zu gehen, ist keineswegs neu. „Speziell bei unseren älteren Semestern kam dieser Wunsch schon vor vielen Jahren auf“, so Patrick Gotsch, der zuletzt eigentlich nicht mehr daran glaubte, dass es tatsächlich klappen würde. „Der kleine Traum war im Grunde schon geplatzt, denn sowohl Onkel Manfred als auch mein Vater Wolfgang hatten ihre Karriere vor etwa einem Jahr beendet. Und Ingo spielte verletzungsbedingt sowieso nicht mehr.“ Doch dann fügten sich einige Umstände aneinander und es ging doch noch an die Verwirklichung. „Wahrscheinlich war es auch die Erkenntnis, dass die Zeit davonrennt. Aber ehrlich gesagt, war ich von der Entwicklung dann doch etwas überrascht“, so der 46-jährige Teamkapitän, der im letzten Jahr noch in der dritten Mannschaft des TTV spielte – und damit so hochklassig wie noch nie.

Im Rahmen von zwei kurz hintereinander stattgefundenen Familienfeiern, darunter die goldene Hochzeit von Wolfgang und Doris Gotsch, wurde das Vorhaben zuletzt konkretisiert. Treibende Kraft beim Prozess der sportlichen Familienvereinigung war Ingo Gotsch (44), dem es ebenfalls eine Herzensangelegenheit war, den Traum doch noch Wirklichkeit werden zu lassen. „Es schien mir jetzt einfach an der Zeit, der Familie diesen innigen, jahrzehntelangen Wunsch zu erfüllen“, sagt Ingo Gotsch, der früher bei der SV Böblingen in der Verbandsliga und dann etliche Spielzeiten beim Gärtringer Heimatverein in der Verbandsklasse und Landesliga um Punkte schmetterte.

Ingo Gotsch ergänzt: „Eigene sportliche Ambitionen habe ich inzwischen keine mehr, verletzungsbedingt musste ich den Wettkampfsport auf höherem Niveau zuletzt einstellen. Nun dachte ich mir: Wenn nicht jetzt, wann dann?“. Und so kam es: Im Kleiderschrank fand Ingo Gotsch das Trikot, das er sich zuletzt im Oktober 2015 in einer Landesliga-Partie übergestreift hatte. Für Sohnemann Timo und sich bestellte er dann noch neue Schlägerbeläge, um für das Comeback gut gerüstet zu sein. Und die Rückkehr ins Punktspielgeschehen gelang problemlos, beim glatten Sieg wurden er und seine Teamkameraden nicht sonderlich gefordert. Ingo Gotsch: „Das Ganze soll primär eine Familiengaudi sein. Und in der Tat hatten wir unseren Spaß. Mein Sohn Timo setzte gegen Breitenstein noch aus, da er zuvor mit dem Fußballclub im Einsatz war. Aber bei der nächsten Partie gegen Rohrau spielt einer seiner Lehrer und da möchte er natürlich dabei sein. Dann wären wir sogar eine Drei-Generationen-Mannschaft.“

Was die sportlichen Aussichten dieser außergewöhnlichen sechsten Mannschaft des TTV Gärtringen anbetrifft, halten sich die Protagonisten bedeckt, wenngleich mit dem vorhandenen spielerischen Potenzial durchaus eine Spitzenplatzierung in der Sicherheitsliga drin sein dürfte. „Ich wünsche mir, dass alle gesundheitlich durchhalten und wir möglichst viele Partien mit dem Gotsch-Clan bestreiten können“, gibt Patrick Gotsch die Devise aus. „In welcher anderen Sportart außer Tischtennis gibt es das schon, dass man generationsübergreifend gemeinsam mit der Familie in einer Mannschaft spielen kann? Dass wir uns alle sehr gut kennen, hilft natürlich auch während eines Punktspiels. Wir wissen, wie wir miteinander umzugehen haben.“ In den kommenden Wochen will der Kapitän möglichst viele Varianten ausprobieren, was auch für die Doppelpaarungen gilt. Mit einem Lächeln auf den Lippen ergänzt Patrick Gotsch: „Nur, ob wir die beiden Brüder Manfred und Wolfgang zusammenspielen lassen wollen, weiß ich noch nicht.“ Auch bei der Gärtringer Tischtennis-Institution Manfred Gotsch fiel das Feedback nach dem ersten Auftritt rundum positiv aus: „Das Spiel machte wirklich Lust auf mehr.“


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